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Teambezeichnungen im eSport und ihre Bedeutung

Teambezeichnungen im eSport und ihre Bedeutung

Dass der eSport zur Zeit seinen wirtschaftlichen Frühling erlebt, ist kein Geheimnis. Nicht nur Massenmedien, Sporthersteller und Fußballclubs, sondern auch die Politik entdecken den elektronischen Sport als lohnende Investition. Blickt man auf die deutsche eSport-Landschaft, sieht man einerseits fähige Spieler, die schon jetzt für stattliche Ablösesummen von Team zu Team ziehen, andererseits auch viele aufstrebende, neue Teams, die sich einen Namen machen (möchten). Spätestens, wenn Sponsoren ins Spiel kommen oder die erste größere Turnierteilnahme auf dem Programm steht, stellt sich die Frage, wie man als Team eigentlich auftritt.

Führt man geschäftliche Gespräche mit eSportlern, ist meist die Rede von „Teams“, „Clans“ oder „Organisationen“ (Orgas). Vertreten werden diese Gruppen oft von Menschen, die sich „CEO“, „COO“ oder „Leader“ nennen. Als Vertragspartner muss man sich hier die Frage stellen:

  • Was ist das eigentlich?
  • Muss ich ein Team anders behandeln als eine Orga?
  • Welche Rechte hat ein Clan?
  • Und ist die Bezeichnung überhaupt wichtig?
  • Und was zum Henker ist ein „CEO“ oder ein „Leader“??

Wir ziehen deshalb in diesem kleinen Wort zum Sonntag ein Resumee und schauen uns die Bezeichnungen deutscher Teams einmal genauer an.

 

Welche rechtliche Relevanz haben diese Bezeichnungen?

Ob Clan, Team oder Orga, gemeint ist immer das selbe. Es geht um einen Zusammenschluss von Spielern, Supportern, Anwärtern und Partnern, die alle auf ein Ziel hinarbeiten: Die Gruppe erfolgreich zu machen, gemeinsam Spaß zu haben und im besten Fall den ein oder anderen Preis mit nach Hause zu nehmen

Dabei stößt man bei der Gesetzeslektüre jedoch recht schnell auf eine Erkenntnis: Die häufig benutzten Bezeichnungen haben im rechtlichen Sinne keinerlei Bedeutung. In keinem Gesetz werden Clans, Teams oder „Orgas“ erwähnt.

In der Regel wird sich „Organisation“ genannt, um dem Anschein der haftungserleichterten Tätigkeit zu erwecken. Als Organisationen werden gemeinhin Vereine, Verbände, Aktiengesellschaften oder sonstige Zusammenschlüsse von Personen bezeichnet. Einen „Clan“ könnte man daher als speziellere Form einer Organisation bezeichnen, da er die Tätigkeit bereits spezifiziert. Ein „Team“ widerum wäre noch spezieller. Das oft dargestellte „Upgrade“ vom Team zur Organisation ist also eigentlich ein „Downgrade“, da man vom Speziellen zum Allgemeinen wechselt.

Aber was bedeutet das nun für eSport-Teams? Sind sie rechtlich nicht existent? Und falls doch….was sind sie denn nun?

 

Der „numerus clausus“ der Gesellschaftformen

Im deutschen Recht wird zwischen natürlichen und juristischen Personen unterschieden. Eine natürliche Person ist jede Privatperson, die am Rechtsverkehr teilnimmt. Eine juristische Person bezeichnet Rechtsgebilde, die eben keine Einzelperson sind, sondern Vereinigungen mehrerer Personen (oder auch Zweckvermögen, dieses Fass machen wir hier allerdings lieber nicht auf). Auch solche Personengruppen können als Ganzes am Geschäftsleben teilnehmen. Wie sie dies tun, ist allerdings rechtlich streng geregelt.

Es herrscht ein sogenannter „numerus clausus“ im Gesellschaftsrecht. Das bedeutet, das Gesetz legt fest, welche Gesellschaftsarten es gibt und wann welche Art vorliegt. Die bekanntesten Gesellschaftsarten dürften hierzulande die GmbH oder die AG sein. Weniger bekannt, dafür für die meisten eSport-Teams von immenser Bedeutung ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (auch GbR genannt).

Eine solche GbR entsteht immer dann, wenn mindestens zwei Personen sich zusammenfinden, die sich verpflichten, einen gemeinsamen Zweck auf eine bestimmte Art und Weise zu fördern. Wichtig hierbei ist, dass es zum Entstehen einer GbR nicht nötig ist, einen Gesellschaftsvertrag zu unterschreiben. Ein solcher Vertrag (wie auch viele andere Verträge) kann nämlich auch mündlich oder gar konkludent geschlossen werden. Konkludent meint in diesem Sinne „durch schlüssiges Verhalten“, beispielsweise durch regelmäßiges Training, das Tragen gemeinsamer Trikots oder das Führen eines bestimmten Namens.

Die meisten deutschen Teams dürften rechtlich als GbR einzuordnen sein. Das hat einige Vorteile: So kann das Team zum Beispiel als ganzes Rechtsgeschäfte vornehmen oder Preisgelder empfangen. Allerdings lauern auch einige Gefahren.

Die Haftung

Denn insbesondere die Haftung sowohl gegenüber den anderen Kameraden als auch gegenüber Geschäftspartnern ist ein ständiges, hoch sensibles Thema. In einer GbR haftet nämlich grundsätzlich jeder Gesellschafter (also jedes Teammitglied) für Schulden der Gesellschaft voll mit seinem eigenen Vermögen. Das bedeutet, dass für sämtliche Verträge, die das Team eingeht, jedes Teammitglied im schlimmsten Fall selbst aufkommen muss. Und der Vertragspartner kann sich auch noch selbst aussuchen, welches Teammitglied er gerne zur Kasse bitten möchte. Das Geld muss sich der/die Unglückliche dann aufwändig von den Teamkameraden zurückholen.

Aufteilung der Gewinne

Auch die Verteilung möglicher Gewinne kann für Unmut sorgen. Denn es gilt: Jeder, der Teil der Gesellschaft ist, hat ein Recht auf einen gleichen Teil des Gewinns. Dies mag zwar fair sein, wenn das Team nur aus den Spielern und eventuell einem Management besteht. Sobald aber Unterstützer, Ersatzspieler oder sonstige Akteure im Spiel sind, wird es für die eigentlichen Spieler schnell ungemütlich, denn sonderlich viel bleibt dann nicht mehr vom Kuchen.

Ausscheiden von Spielern

Wenn das Team schließlich doch aufgelöst wird oder ein einzelner Spieler das Team verlässt, bestehen weitere Probleme. Denn das Gesellschaftsvermögen (also alles, was das Team an Sponsoring, Preisgeldern, Trikots, Hardware etc. eingenomen hat) muss zwischen allen Teammitgliedern gleichmäßig verteilt werden. Auch wenn nur ein Gesellschafter (Teammitglied) die Gesellschaft verlässt, hat er ein Recht darauf, „seinen Anteil“ zu erhalten.

 

Problemlösung

Nun stellt sich die Frage: Was kann man als Team tun, um diesen Problemen aus dem Weg zu gehen?

Ein Weg wäre die aktive Gründung einer Gesellschaft. Da eine GmbH mit einem Stammkapital von 25.000 Euro gegründet werden muss, dürfte dies kaum ein Weg sein. Jedoch gibt es diverse andere Gesellschaftsformen, die sich für kleineres Budget eignen. So zum Beispiel die englische Kapitalgesellschaft „Limited“ (Ltd.), die nach Rechtsprechung des EuGH auch in Deutschland anerkannt wird, oder die Unternehmergesellschaft (UG), die ein deutlich geringeres Stammkapital erfordert.

Eine weitere Möglichkeit ist die Eintragung als Verein. Der eingetragene Verein (e.V.) ist eine Rechtsform, die heute in vielen vor allem kulturellen und sportlichen Bereichen das Mittel der Wahl ist. Denn er ist recht einfach zu gründen, die Mitglieder des Vereins haften nicht persönlich und im Gegensatz zur GbR ist er auch nicht abhängig von seinen Mitgliedern, sondern steht für sich selbst. Voraussetzung ist allerdings zwingend die Eintragung ins Vereinsregister. Vor dieser Eintragung gelten auch für den Verein die selben Regeln wie für die GbR, womit wir wieder bei den oben genannten Problemen landen. Außerdem darf ein eingetragener Verein nicht ausschließlich auf einen gewinnorientierten wirtschaftlichen Zweck ausgerichtet sein – etwas, das vor allem professionelle Teams allerdings anstreben dürften. Hier zeigt sich in analoger Anwendung zum Sportrecht, dass ab einer gewissen Größe und wirtschaftlicher Tätigkeit der Verein nicht mehr die richtige Rechtsform ist.

Wenn man die Vereinsgründung scheut, besteht zumindest die Möglichkeit, einen professionellen Gesellschaftsvertrag zu verwenden. Ist dieser korrekt erstellt, können Haftungsfragen geklärt, Gewinnverteilungen festgelegt und Regeln für den Fall des Ausscheidens einzelner Teammitglieder gefunden werden. Hier ist geraten, sich an spezialisierte Juristen zu wenden, denn für den Laien ist vieles auf den ersten Blick vielleicht logisch, an alle Eventualitäten zu denken kann jedoch nur mit entsprechender Praxiserfahrung gewährleistet werden.

Bei Anfragen zum Thema Gesellschaftsvertrag für eSport-Teams verweisen wir gerne auf unseren „Legal“-Bereich unter https://arena-esports.com/legal/.

 

Was ist ein „CEO“?

Zuletzt möchten wir kurz beleuchten, was es mit der Bezeichnung „CEO“ auf sich hat. Der „Chief Executive Officer“ ist im amerikanischen Rechtskreis der Vorstandsvorsitzende oder das geschäftsführende Vorstandsmitglied eines Unternehmens. Im deutschen Recht kommt dem wohl die Bezeichnung des „Geschäftsführers“ nahe. Dass ein eSport-Team keine Kapitalgesellschaft ist und schon gar keinen Vorstand hat, sollte durch diesen Artikel klar geworden sein.

Deshalb raten wir bei der Verwendung der Bezeichnung „CEO“ oder ähnlicher Abwandlungen zur Vorsicht. Denn insbesondere wettbewerbsrechtlich können hier Probleme und auch kostenintensive Abmahnungen von Mitbewerbern warten, weil man der Allgemeinheit Eigenschaften vorgaukelt, die nicht der Realität entsprechen. Gleiches gilt natürlich für die unberechtigte Verwendung eines Zusatzes „e.V.“. Wer sich als „CEO“ darstellt setzt zudem den Anschein der Unternehmereigenschaft und kann daher im Zweifel sogar als Alleinhafter herangezogen werden, wenn es um solch angenehme Dinge wie Sozialbetrug oder Steuerhinterziehung der angestellten Spieler geht.

Denn, dass die angeheuerten Spieler einer „Orga“ keine Arbeitnehmer sind, muss der „CEO“ beweisen.

 

Fazit

Es mag viele Bezeichnungen geben, das Ergebnis bleibt gleich: Teams, die professionell auftreten und ambitioniert auch am Geschäftsleben teilnehmen, unterliegen zahlreichen Einschränkungen und Risiken. Das deutsche Recht kümmert sich selten um bloße Namen, sondern legt die Regeln sehr genau fest. Es ist nur zu raten, sich entsprechend zu informieren und abzusichern, wenn letztlich keine bösen Überraschungen warten sollen. Im Zweifel ist eine vorbeugende rechtliche oder unternehmensgründende Beratung um einiges günstiger als die unangenehmen Folgen im Falle einer Anzeige oder einer Abmahnung.

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